Stakeholder Analysen

Den Stakeholder Begriff finden Sie bereits in der hier erklärt.

Unter Stakeholder Analyse versteht die Erfassung und Einschätzung aller Interessensgruppen (= Stakeholder) eines Projekts, eines Vorhabens, eines Unternehmens oder einer Organisation.

Leider muss ich immer wieder feststellen, dass viele meiner Kunden sich diesem Thema nur unzureichend widmen. Oft glaubt man seine Stakeholder alle zu kennen und meint damit die direkt und meist aktiv am Projekt Beteiligten. Dies ist ein Fehler, dazu ein paar Beispiele:

Ein Unternehmen stellt in einem Teilbereich auf Agile Vorgehensweise um. Der Teilbereich bearbeitet ein Projekt für einen Neuen Kunden. Der Rest des Unternehmens ist kaum betroffen, aber dennoch ein wichtiger Stakeholder. Hier wachsen zum Beispiel Ängste, denn Manager scheinen in einer Agilen Welt nicht mehr benötigt zu werden. Außerdem hat sich ein Leitungsmitglied gegen den Willen einiger Leitungskollegen bei der Etablierung des neuen Projekts durchgesetzt, der Rest schaut jedoch mit Argusaugen auf das Projekt. Diesen „mächtigen Rest“ zu ignorieren wäre ein Fehler. Sie würden eventuell jeden Anschein von Problemen nutzen: „wir haben es ja schon immer gesagt

Eine Analyse der Stakeholder würde zu Tage bringen:

  1. Es gibt eine Ängstliche Gruppe von Managern, mit wenig Einfluss aber großen Sorgen (gelber Quadrant)
  2. Es gibt einflussreiche Gruppen, die dem Projekt eher skeptisch gegenüber stehen, dennoch erst mal weniger Interesse haben (oranger Quadrant, negativ)
  3. Es gibt wenig-einflussreiche und eher uninteressierte Gruppen (grüner Quadrant, neutral)
  4. Es gibt einen einflussreichen Sponsor, mit großem Interesse am Erfolg des Projekts (roter Quadrant, positiv)
  5. Es gibt auf Leitungsebene einen engagierten Gegner des Projektsponsors (roter Quadrant negativ)
Stakeholder Analyse mittel Stakeholder Map

Den roten Quadranten hatte wir schon immer auf dem Schirm, gleichgültig ob mit positiver oder negativer Haltung zum Projekt, die anderen Quadranten werden häufig vergessen. Dabei vergessen wir, dass sich Interesse und Einfluss dieser Gruppen ändern kann. Die Corona Krise hat dies gezeigt: Plötzlich mischen Unternehmensbereiche im Projekt mit, die man vielleicht zuvor bewusst missachtete. Die grünen Stakeholder sollte man also immer und vor allem wertschätzend im Auge haben. Auch sollte man drauf achten, nicht unbewusst und ungeschickt gegen die orangen Stakeholder zu handeln, denn Sie haben Einfluss und nicht zuletzt kann diese Gruppe wegen mangelnder Wertschätzung plötzlich pikiert sein und negatives Interesse entwickeln. Die gelbe Gruppe hat vielleicht wenig Einfluss, wenn deren Angst steigt kann der Einfluss allein durch die Anzahl der Betroffenen steigen.


Transparenz statt Heimlichtuerei


Wer jetzt auf die Idee kommt, dass Heimlichtuerei der beste Schutz vorn negativem hohen Interesse und Einfluss sei, dem möchte ich in der Regel abraten. Was für den Mitbewerber auf dem Markt ein adäquates Mittel sein kann, ist z.B. für die besorgten Hierarchiemanager der falsche Weg. Hier ist möglichst hohe Transparenz zu empfehlen.

Allgemein kann die Stakeholder Analyse dazu beitragen Missverständnisse zwischen Organisation bzw. Projekt und den  Stakeholdern zu beseitigen. Sie hilft auch bewusst zu kommunizieren, was in besonderen Fällen auch Geheimhaltung zur Option machen kann.

Sehr häufig wird der öffentliche externe Stakeholder vergessen: Nachbarn, Parteien, Bevölkerungsgruppen, Interessengruppen.

Stakeholder Analyse innerhalb der RACI Software.

Die RACI Software erlaubt es, zu jedem Element eine Stakeholder Analyse anzulegen. Die Projekt Stakeholder können per Drag & Drop einfach in die 4 Quadranten gelegt und mit den tags (positiv, neutral, negativ) versehen werden. Wann immer Entscheidungen im Kontext des Elements getroffen werden, empfiehlt es sich dieses Schaubild kurz zu berücksichtigen und es gegebenenfalls auch zu modifizieren.